Die lange Nacht des Sports

Die „Lange Nacht der Museen“ hat seit ihrer Premiere 1997 in Berlin europaweit Nachahmer gefunden und gehört mittlerweile in vielen Ländern zu den jährlichen Highlights im Museumsbereich. Bis spät in die Nacht hinein haben die teilnehmenden Museen geöffnet und bieten zahlreiche Sonderveranstaltungen.

Die „Lange Nacht des Sports“ folgte einem ähnlichen Konzept und bot Sportvereinen die Möglichkeit, sich einem breiten Publikum vorzustellen und die Lust an der Bewegung weiterzugeben. Unter dem Motto „Sport im Herzen der Stadt“ wurden unterschiedlichste Sportarten in den Innenstädten und an verschiedenen Sportstätten den Besuchern nähergebracht.

Auf zentralen Straßen und Plätzen stellten die verschiedenen Vereine sich und ihre Leistungen vor, sollten zum Mitmachen animieren und die Werbetrommel für ihre Sportarten rühren. Der Vereinssport stand im Mittelpunkt, Breiten- und Spitzensport machten gemeinsam Lust auf sportliche Betätigung.

Der Start der Veranstaltung verlief recht holprig. Die Premiere hätte 2005 stattfinden sollen, scheiterte jedoch an fehlenden Sponsorengeldern.
Während der Fußball-WM 2006 in Deutschland fand in München schließlich die erste „Lange Nacht des Sports“ statt, in der sich bis 1 Uhr nachts die unterschiedlichsten Sportvereine vorstellten und auch am spielfreien WM-Tag für große Unterhaltung und eigene sportliche Betätigung sorgten.

Von der Leopoldstraße über den „Olympiaberg“ bis zur „Aqua-Night“ im Nordbad, hatte die erste „Lange Nacht des Sports“ sehr viel zu bieten.

In den folgenden Jahren (2007 bis 2009) wurde die „Lange Nacht des Sports“ zunächst (2007) in Leipzig, danach in Dresden und Leipzig gemeinsam veranstaltet. Auch hier präsentierten sich zahlreiche Sportvereine der interessierten Öffentlichkeit, die die Möglichkeit hatte, neue Sportarten kennenzulernen und auszuprobieren.

2010 ging die „Lange Nacht des Sports“ auf Tournee und fand gleich in vier Städten statt. Erfurt, Halle (Saale), Dresden und Bochum waren diesmal die Gastgeber der Veranstaltung. Die Schirmherrschaft hat Doppelolympiasiegerin Britta Steffen übernommen.

„Sehr gern habe ich die Schirmherrschaft für dieses einzigartige Projekt übernommen. Wenn hunderte Vereine mitten in der Innenstadt ihre Sportarten voller Begeisterung vorführen und die Besucher zum Mitmachen animieren, dann ist das eine feine Sache und verdient Unterstützung“, so die Berliner Schwimmikone.

In Erfurt präsentierten sich am 5. Juni 2010 in der Innenstadt über 100 Sportvereine aus 60 Sportarten und luden zum aktiven Mitmachen ein. Dabei standen den zahlreichen Besuchern ca. 2000 Aktive mit Rat und Tat zur Seite.

Neben der Schwimm-Doppel-Olympiasiegerin Steffen durfte Stephanie Beckert bei dieser Großveranstaltung in ihrer Heimatstadt natürlich nicht fehlen. Die Erfurterin betreibt ihre Sportart, ähnlich wie Steffen, „auf dem Wasser“, allerdings im gefrorenen Zustand. Beckert holte sich bei den Olympischen Spielen in Vancouver Team-Gold im Eischnelllauf.

Das Motto der Veranstalter von SportSAX, „Sport im Herzen der Stadt“, fand in der Thüringer Landeshauptstadt regen Anklang. Im und am Hauptbahnhof gab es zahlreiche Sport-Shows und ein achtstündiges Bühnenprogramm. Auf dem Anger, Fischmarkt, Domplatz und anderen Plätzen konnten die Besucher die gesamte Bandbreite des Sports mit Vorführungen, Informationsständen und Mitmach-Angeboten erleben.

Die ganz großen Highlights waren eine mobile Kunsteisbahn und ein Wasserbecken auf dem Anger, am Domplatz zog ein Autokran einen Ballon samt Mitfahrer in luftige Höhen.

Am 14. August 2010 machte die „Lange Nacht des Sports“ Halt in Halle an der Saale Station. Neben Steffen war als sportlicher Botschaft der Stadt Andreas Wels mit dabei. Der Silbermedaillengewinner bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen und vierfache Europameister im Wasserspringen freute sich ganz besonders, dass dieser Großevent in seiner Heimatstadt zu Gast war.

„Aus den Sportstätten hinein in die Stadt“ lautete auch in Halle das Motto. Knapp 100 Sportvereine stellten sich an zahlreichen öffentlichen Plätzen und Straßen vor.

Im Hauptbahnhof konnten sich die Besucher beim Pokern, Kegeln, Billard oder am Seil versuchen. Am Bahnhofsvorplatz wurde neun Stunden lang ein abwechslungsreiches Bühnenprogramm geboten. Besonderer Beliebtheit erfreuten sich der Ballon am Kran bzw. die Roller- und Motorrad-Stuntshow.

Während am Riebeckplatz Speed-Badminton vorgestellt wurde und sich die Besucher einem Ball-Parcours stellen konnten, gab es am Leipziger Turm Kampfkunstshows zu bewundern. Bei der Ulrichskirche gaben sich Tanzsportler, Judokas, Schachspieler und viele andere Sportler ein Stelldichein.

Der Marktplatz war fest in der Hand der Teamsportarten. Floorball und Basketball stellten sich vor, beim Soccer- und Beachvolleyballturnier fieberten die Zuschauer mit. Der Spaß stand allerorten im Vordergrund. Ein Schwimm- und Tuchbecken sorgte für willkommene Abkühlung.

Zwei Wochen später, am 28. August, war die „Lange Nacht des Sports“ zum bereits vierten Mal in Dresden zu Gast. Auch diesmal wurde an der Elbe ein Nonstop-Showprogramm und eine Sportmeile mit Aktionen und Mitmach-Programmen bis in die Nacht hinein geboten.

Vom Altmarkt bis zum Hauptbahnhof verwandelten die ansässigen Sportvereine die Innenstadt des „Elbflorenz“ in eine einzige Sportmeile. Mittendrin auch die Altenberger und Dresdner Rodler, die den Besuchern die Gelegenheit gaben, selbst mal einen Rodelstart auf der mobilen Startanlage hinzulegen.

Erstmals präsentierten sich die Wassersportvereine in der Prager Straße, wo sie ihr mobiles Schwimm- und Tauchbecken aufgebaut hatten. Seine Premiere als Veranstaltungsort feierte der Altmarkt, auf dem die besten Kopftischtennis-Spieler der Welt an 15 Platten ihr Können zeigen unter Beweis stellen konnten.

Zudem präsentieren sich hier Motor- und Trendsportarten. So werden die Motobikes in einer Stuntshow 20 Meter hoch fliegen. Sportlich endete die Nacht mit einem Squash- und Badmintonturnier im Sportpark auf der Südhöhe.

Der krönende Abschluss der 2010er-Tour der „Langen Nacht des Sports“ fand am 25. September in Bochum statt. Erstmals wurde die Bochumer Innenstadt vom Hauptbahnhof bis zum Rathaus in eine große Sport-Arena verwandelt. Als sportlicher Botschafter Bochums agierte VFL-Legende Dariusz Wosz.

Über 80 Aussteller präsentierten sich den zahlreichen Besuchern, denen etwas ganz besonders geboten wurde: Badminton vor dem McDonalds, eine Partie Schach an der Pauluskirche, Tanzen am Kuhhirten, Hockey auf dem Dr. Ruer-Platz oder auch die hierzulande eher unbekannte Sportart Außergewöhnliches wie Lacrosse auf dem Husemannplatz.

Unter anderem wurden ein mit 70 000 Liter Wasser gefülltes Tauch- und Schwimmbecken, ein Fußball-Parcours, eine Tennisanlage oder auch ein mobiles Fitness-Center aufgebaut, wo sich die Besucher selbst sportlich betätigen konnten. Lediglich das kühle Nass war den Menschen mit lediglich 12 Grad dann doch etwas zu kühl.

2011 fand die „Lange Nacht des Sports“ nach dreijähriger Pause wieder in Leipzig statt. Zum dritten Mal der Sport die größte Stadt Sachsens fest im Griff. Über 90 Sportvereine und Aussteller boten am 14. Mai zwischen Markt- und Augustusplatz einmal mehr ein riesiges Programm an unterschiedlichsten Mitmachstationen, Vorführungen und anderen Highlights.

Allerdings hatte der Wettergott kein Einsehen. Zwar konnten ersten Regenschauern noch getrotzt werden, doch nachdem am frühen Abend Dauerregen einsetzte, musste die Veranstaltung aus Sicherheitsgründen gegen 20 Uhr abgebrochen werden.

Ganz im Zeichen der Olympischen Spiele in London stand die bislang letzte Ausgabe der „Langen Nacht des Sports“ am 5. Mail 2012, die ebenfalls in Leipzig stattgefunden hat. Bereits zum vierten Mal verwandelte sich die Leipziger Innenstadt in eine große Sportarena, in der mehr als 50 Sportarten präsentiert wurden.

An vielen von diesen konnten sich die Besucher auch selbst versuchen. Bis in die späten Abendstunden hinein wurde auf der Hauptbühne ein Showprogramm geboten. Als Highlight brachten Kinder, Vereine, prominente Sportlerinnen und Sportler alle 31 Sportarten der Sommerspiele in London auf die Showbühne.

Trotz des widrigen Wetters fanden Tausende Besucher den Weg in die Leipziger Innenstadt.

Das Konzept der „Langen Nacht des Sports“ ging jahrelang sehr gut auf und fand auch anderswo seine Nachahmer. Beispielsweise steigt in Wien seit dem Jahr 2000 eine Veranstaltung mit einem ähnlichen Konzept. In Österreich heißt der Großevent allerdings „Tag des Sports“ und zählt bis zu einer halben Million Besucher.